OPEN YOUR MAINZ IV: Albtraum Partizipation

Partizipation ja, aber wie?
Reiner Nagels Vortrag lädt zur Reflexion über Mitwirkungsmöglichkeiten an Stadtgestaltung ein

von Charlotte Selker 

Bunte Kissen und Papphocker auf dem Boden, junge Menschen mit Notizblöcken. Ungeordnete Stuhlreihen, besetzt von mehr oder weniger in der Stadtplanung aktiven Mainzer*innen, die teilweise vom Fach kommen. Durch die gläserne Fensterfront des Zentrums für Baukultur ist eine Ausstellung mit Mainzer Bauprojekten zu sehen. Im Rahmen von MainzMap IV: Zusammenleben findet der Vortrag „Albtraum Partizipation“ von Reiner Nagel, Vorstandsvorsitzender der Bundesstiftung Baukultur, statt. Er illustriert an Beispielen wie Stuttgart 21 oder der Elbphilharmonie in Hamburg seine Positionen.

„Wir brauchen unverkrampfte Formate der Partizipation!“, plädiert er und stimmt darin mit Gerold Reker, Präsident der Architektenkammer Rheinland-Pfalz, überein, der ihn im Zentrum für Baukultur begrüßt. Doch welche Art der Partizipation wollen wir? Wie können Expert*innen und „unbefangene Bürger“, wie Nagel sie nennt, zusammen gebracht werden? In welcher Phase der Projektplanung können gesellschaftliche Konsense getroffen werden? Das sind Fragen, die Nagel bewegen und auf die er an einigen Stellen Antworten liefert. Anstelle von Partizipation spricht er lieber von Mitwirkung. Als Mitglied der Deutschen Akademie für Städtebau und Landesplanung und des Bundes Deutscher Architekten sowie im Kuratorium Nationale Stadtpolitik hat Nagel viel Erfahrung in der Stadtplanungspraxis.

Partizipation braucht ein neues Selbstverständnis

Nagel bezieht sich auf den Architekten Markus Miessen, der diesen Vortrag eigentlich halten wollte, jedoch kurzfristig verhindert war. Nagels Beteiligungsanspruch ist radikaler Art: Es geht um die Loslösung von reinen Partikularinteressen hin zu einer Bewegung zu Werkstätten und Laboren, in denen gemeinsam geplant wird. Diese müssen jedoch gut organisiert sein. Es reicht nicht, Bürger*innen an einem bestimmten Punkt des Planungsprozesses einzubeziehen, sie müssen bereits in der Phase Null eines Projekts integriert sein.

Soll es zum Umbau eines Museums eine Bürgerinitiative geben? Der Bezug zu Mainz wird durch die Debatte um den Umbau des Gutenberg-Museums hergestellt. Hierzu lesen Lillith Häßle und Armin Dillenberger, beide Mitglieder des Schauspielensembles, zu Anfang des Abends kontroverse Leserbriefe vor.

Das bunte Programm des Thementags ist nicht nur hier vom Charme der Interdisziplinarität geprägt. An diesem Abend ist auch das Zusammenspiel von Kunst, Wissenschaft und Praxis besonders zu spüren und der Zukunftsblick bleibt nicht aus, wenn am Ende das Format der Veranstaltung wiederholt gelobt wird.

„Stadt ist Stadt, wenn sie selber mit sich uneins ist“, mit diesem Zitat eröffnet Gerold Reker die Fragerunde, in der sich das große Interesse des Publikums zeigt. In einem scheinen sich die Anwesenden jedoch einig zu sein: Ein solches Forum, um über die Zukunft der Stadt nachzudenken, solle unbedingt wiederholt werden.

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