PERFOR’MZ IV

Die PERFOR’MZ-Clubs im Zeichen des Widerstands. Was ist Widerstand? Was empört uns? Haben wir eine Chance, etwas zu verändern? Antonia Richter über die Inszenierungen des Generationentheaterclubs zeitraum und des Jugendtheaterclubs spieldrang.

Den Auftakt des Abends bildet #Widerstand, eine Produktion des Generationentheaterclubs zeitraum.

Spielerisch und gleichzeitig ernst werden Erlebnisse und Ängste, aber auch Träume und Hoffnungen der dreizehn Mitglieder erzählt. Verschiedene Kulturen kommen zusammen; verschiedene Sprachen werden gesprochen, die nur teilweise übersetzt werden. Das Alter auf der Bühne reicht von 9 bis 78 Jahren. Ein buntes Mosaik von Menschen, die sich als Gemeinschaft in ihren Geschichten annähern, ob vergangene oder zukünftige. Es wird gesungen, getanzt und musiziert; Lebensfreude und Spaß stehen an erster Stelle. Dazwischen wird es ernst. Erfahrungen mit Nazi-Deutschland, mit Krieg, Rassismus und Ungerechtigkeit im Alltag werden auf persönliche und einfühlsame Art an die Zuschauer weitergegeben. Es zeigt sich, auch wenn unsere Gesellschaft komplexer und verwirrender wird und nichts weder schwarz oder weiß ist, dass es sich lohnt, mutig zu sein: „Jedes Aufbegehren ist so einzigartig wie die Revoltierenden selbst.“

Im Anschluss: der Jugendtheaterclub spieldrang

Im Foyer, vor dem Einlass der Produktion Beim Verlassen der Komfortzone, befragen die Spielerinnen und Spielern die Zuschauer, was sie eigentlich empört. Die Antworten werden mit Name und Alter auf einem Zettel notiert.

Die Inszenierung beginnt eindrücklich und ernsthaft. Es werden Aktivistinnen aus unterdrückten Ländern porträtiert, die Musik unterstützt ein Gefühl der Beklemmung. Dann ein Cut. Drei schrille, aufgeregt gackernde und miteinander konkurrierende Bräute stürmen auf die Bühne. Sie haben sich die Malediven als Ziel ihrer Flitterwochen auserkoren – auch dort herrschen Unterdrückung und Terror. Man muss lachen, die Bräute sind auch zu komisch. Doch ihr verwöhnter Egoismus und ihre Ignoranz spiegeln eine unkritische Konsumgesellschaft wider, die im krassen Gegensatz steht zu der Lebenswirklichkeit der Widerstandskämpferinnen. Immer wieder wird die Frage aufgeworfen, was unsere Rolle ist in den Kämpfen unterdrückter Minderheiten. Auch als das Publikum gebeten wird, die Antworten auf den Zetteln vorzulesen, die vor Beginn der Aufführung aufgeschrieben wurden, verlassen sie die gewohnte Zone des passiven Zuschauens. Warum blicken wir so oft weg, wenn anderen Unrecht getan wird? Können wir überhaupt etwas verändern? Die Antwort ist: Ja. Schon in alltäglichen Situationen der Ungerechtigkeit können wir helfen, indem wir nicht die Augen verschließen, sondern unsere Komfortzone verlassen.

Unsere Gesellschaft wird zukünftig heterogener und diverser werden. Es ist notwendig, Brücken zu bauen und über unseren Tellerrand zu blicken. Die Clubs zeigen, mal spielerisch und lustig, mal ernst und beklemmend, aber immer auf unterhaltsame Weise und ohne den erhobenen Zeigefinger der Moral, wie wichtig Widerstände und ein offener Blick sind.

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